Recht und Pflicht nach einem Autounfall

Mit einem Warndreieck im Abstand von 100 bis 150 Metern zum Unfallort muss der nachfolgende Verkehr auf die Situation aufmerksam gemacht werden. FOTOS: COLOURBOX
Ein Autounfall ist eine Ausnahmesituation, die niemand gern erlebt. Dennoch steigt die Zahl der Verkehrsunfälle jährlich. Für Autofahrer ist es daher wichtig, genau zu wissen, was nach einem Zusammenstoß zu tun ist. Der ZDK informiert über Rechte und Pflichten im Fall eines Haftpflichtschadens.

Damit die Schadensabwicklung nach einem Unfall reibungslos verläuft, gibt der Zentralverband des deutschen Kfz-Gewerbes sechs Tipps zu Ihren Rechten und Pflichten im Schadensfall (Haftpflichtschaden).

Sie können die Werkstatt selbst bestimmen.

Wenn es „gekracht“ hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Stress und Hektik verschlimmern in der Regel die Situation.
Wenn es „gekracht“ hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Stress und Hektik verschlimmern in der Regel die Situation.
Sie dürfen Ihr Fahrzeug in einer von Ihnen ausgewählten Werkstatt reparieren lassen – Versicherungen haben kein Recht, Ihnen eine andere Werkstatt vorzuschreiben. Wer Sie das ganze Jahr über im Service gut berät und bedient, wird das auch im Falle eines Unfalls tun.

Sie können bei einem unabhängigen Sachverständigen ein Gutachten in Auftrag geben.

Es steht Ihnen grundsätzlich frei, einen Sachverständigen Ihrer Wahl zur Beweissicherung und zur Feststellung von Schadensumfang, Schadenshöhe, Wertminderung, Restwert, Wiederbeschaffungswert und voraussichtlicher Reparaturdauer zu beauftragen. Die Kosten für das Gutachten hat die Versicherung des Schädigers grundsätzlich zu übernehmen. Das erstellte Gutachten kann auch als Grundlage Ihrer Abrechnung mit der Versicherung herangezogen werden, wenn Sie z. B. Ihr Fahrzeug nicht reparieren lassen wollen, sondern stattdessen mit dem von der Versicherung ausgezahlten Geld ein anderes Fahrzeug erwerben wollen. Wenn Sie keinen Sachverständigen kennen, kann Ihnen Ihre Werkstatt bei der Auswahl behilflich sein.

Bei einem Bagatellschaden (Schadenshöhe maximal 500 bis 770 Euro) werden keine Gutachterkosten übernommen. Da reicht in der Regel als Schadensnachweis eine Reparaturkalkulation Ihrer Fachwerkstatt aus.

Sie können ein Ersatzfahrzeug mieten.

Ist Ihr Auto nach einem Unfall nicht mehr fahrbereit und muss schadensbedingt zur Reparatur in der Werkstatt verbleiben, können Sie für diesen Zeitraum grundsätzlich einen Mietwagen beanspruchen.

Aber: Wegen zum Teil erheblicher Preisunterschiede kann es unter Umständen sinnvoll sein, Preisvergleiche anzustellen, da bei Anmietung zu überhöhten Preisen die Mietwagenkosten nicht immer vollständig von der Versicherung zu übernehmen sind.

Sie können sich einen Rechtsanwalt nehmen.

Zur Ermittlung und der Durchsetzung Ihrer Ansprüche können Sie einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens beauftragen. Die Kosten hierfür hat die Versicherung des Schädigers grundsätzlich zu übernehmen.

Totalschaden – Sie können reparieren oder verkaufen. 

Es steht Ihnen grundsätzlich frei, einen Sachverständigen Ihrer Wahl zur Beweissicherung und zur Feststellung von Schadensumfang zu beauftragen.
Es steht Ihnen grundsätzlich frei, einen Sachverständigen Ihrer Wahl zur Beweissicherung und zur Feststellung von Schadensumfang zu beauftragen.
Sind die Reparaturkosten höher als der Wiederbeschaffungswert, können Sie Ihr Auto trotzdem in Ihrer Fachwerkstatt reparieren lassen. Wichtige Bedingungen sind, dass die veranschlagten Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert nicht mehr als 30 Prozent übersteigen und dass Sie das Fahrzeug weiter nutzen wollen. Lassen Sie das Fahrzeug im Totalschadensfall nicht reparieren, haben Sie Anspruch auf Ersatz in Höhe des Wiederbeschaffungswertes – abzüglich des Restwertes Ihres Fahrzeuges und der im Wiederbeschaffungswert enthaltenen Mehrwertsteuer.

Sie können die Zahlung vereinfachen.

Zur Erleichterung der Zahlungsabwicklung können Sie von der Werkstatt Ihres Vertrauens vorgehaltene Formulare „Reparaturkosten Übernahmeerklärung“ und/oder „Sicherheitsabtretung“ verwenden, da die Versicherung bei Vorlage dieser Erklärungen in der Regel die Reparaturkosten direkt an die Fachwerkstatt auszahlen kann. Dadurch können Sie es vielfach vermeiden, für die Reparaturkosten in Vorleistung treten zu müssen.

Kaskoschaden: Was passiert, wenn Sie den Unfall selbst verursacht haben?

Wenn Sie bei einem vollständig oder zum Teil selbst verschuldeten Unfall Ihre Kaskoversicherung in Anspruch nehmen, ergeben sich Ihre Rechte aus Ihrem Versicherungsvertrag. Diese können erheblich von den oben dargestellten Rechten im Haftpflichtschadensfall abweichen.

Insbesondere ist hier ein Weisungsrecht Ihres Versicherers zu beachten: setzen Sie sich daher unverzüglich mit Ihrer Versicherung in Verbindung. Aber auch hier gilt: Sie haben das Recht, die Werkstatt Ihres Vertrauens selbst zu wählen und mit der Reparatur zu beauftragen, sofern der Kaskovertrag ausdrücklich nichts anderes bestimmt. ZDK/lan

Absichern und Hilfe leisten

Stress und Hektik verschlimmern die Situation, daher ist es wichtig, nach einem Aufprall Ruhe zu bewahren.

Handelt es sich um Blechschäden, sollte nach Möglichkeit zuerst der Unfallwagen aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Am Straßenrand oder auf dem Seitenstreifen abgestellt, minimiert er so das Risiko weiterer Auffahrunfälle. „Es gibt wichtige Verhaltensregeln, die jeder Beteiligte unbedingt einhalten sollte“, rät Meike Carstens von den Itzehoer Versicherungen.

So muss nach einem Unfall sofort die Warnblinkanlage eingeschaltet werden. Lässt sich die Unfallstelle nicht gleich räumen, wird mit einem Warndreieck im Abstand von 100 bis 150 Metern zum Unfallort der nachfolgende Verkehr auf die Situation aufmerksam gemacht. Vor allem auf Autobahnen und Schnellstraßen ist es lebenswichtig, aus weiter Entfernung gesehen zu werden, deshalb unbedingt die Warnwesten tragen!

Wenn es Verletze gegeben hat, sollte über 112 ein Notarztwagen alarmiert und – wenn notwendig – mit Erste-Hilfe-Maßnahmen begonnen werden. Dazu ist jeder gesetzlich verpflichtet. Wenn möglich, sollten sich alle Unfallbeteiligten bis zum Eintreffen der Polizei in sicherer Entfernung zum Unfallfahrzeug aufhalten.

Im Schadensfall

• Unfallstelle absichern / (Warnblinklicht, Warndreieck).
• Erste Hilfe leisten/Unfallopfer betreuen.
• Am Unfallort bleiben, ggf. Polizei oder Notarzt rufen, unbedingt Daten der Unfallbeteiligten notieren.
• Unfall dokumentieren („Europäischer Unfallbericht“ mitführen).
• Kfz-Versicherung informieren.
• Werkstatt aufsuchen, die garantiert nach Herstellerrichtlinien arbeitet. Dabei auf Service wie Hol- und Bringservice, Ersatzfahrzeug und Schadenabwicklung achten. txn/lan
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